Die Formen des Vergessens

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Vergessen und Erinnern bedingen einander. Augé unterscheidet im Verlauf der Geschichte und im Leben des Individuums drei Formen des Vergessens. Davon ausgehend zeigt er, welche Möglichkeiten der Gegenwärtigkeit im Vergessen liegen,.. (Verlagstext)
Gerade im Deutschlandradio eine Rezension über “Die Formen des Vergessens” gehört. Leider ist die Kritik von Frau von Schirach noch nicht als Text im Netz verfügbar. (also selber lesen, das Buch meine ich)
Vergessen und Erinnern sind wesentliche Antriebe/ Bestandteile u.a. für Fotografie.
Darum diese Blognotiz
[Jetzt, 14:30 Uhr, ist  im Netz was aufgetaucht]

Marc Augé: “Die Formen des Vergessens”

Von Ariadne von Schirach


Wir müssen vergessen, um gegenwärtig zu bleiben

Doch welche Formen des Vergessens gibt es? Zum einen nennt Augé die Rückkehr beziehungsweise Wiederkehr. „Ihr Anliegen ist es, eine verlorene Vergangenheit wiederzufinden, indem die Gegenwart und die unmittelbare Vergangenheit vergessen, und eine Kontinuität zur älteren Vergangenheit hergestellt wird.“ Diese „Suche nach der verlorenen Zeit“ ist immer auch die Suche nach dem früheren Ich.

Die zweite Form nennt er „Schwebezustand“, ein Moment radikaler Gegenwärtigkeit, in dem sowohl Vergangenheit als auch Zukunft für einen Moment aufgehoben sind – wie im Flow oder in der Liebe. Und es gibt den Neubeginn – sein „Anliegen ist es, die Zukunft wiederzufinden, indem die Vergangenheit vergessen wird“. Allen Formen gemein ist ein selektiver Umgang mit der Zeit. Dieser dient zugleich dazu, dem Dasein Gestalt und Bedeutung zu verleihen. Wie kann man zur Kindheit zurückkehren ohne Abkehr vom Jetzt? Wie sich hingeben ohne Distanz zu allem, was nicht dieser Augenblick ist? Wie einen Schlussstrich ziehen und neu beginnen, wenn alles gespeichert bleibt?

Nach Augé erweitert das Vergessen das Leben um das, was gewesen ist und zugleich um den Genuss der Gegenwart. Doch vor allem liegt in ihm die Möglichkeit eines neuen Anfangs – ob als Jawort, Initiationsritus oder Vergebung. Wir müssen vergessen, sagt der Autor dieses wunderbaren Büchleins, „um weder das Gedächtnis noch die Neugier zu verlieren. (…) Man muss vergessen, um anwesend zu bleiben, vergessen, um nicht zu sterben, vergessen, um treu zu sein“.

http://www.deutschlandradiokultur.de/anthropologie-warum-wir-vergessen-muessen.950.de.html?dram:article_id=271412