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Barbara Klemm

Barbara Klemm
Barbara Klemm Retrospektive im Martin Gropius Bau

Barbara Klemm steht für fast 50 Jahre deutschen Fotojournalismus. Über diesen Zeitraum  kommt einiges zusammen.  Die zweite Etage des Gropiusbaus wurde für dieses Lebenswerk freigeräumt.
Das Überzeugendste sind die Tiefdruckdruckbeilagen der FAZ. Hier funktionieren ihre  Bilder in dem Medium für welches sie geschaffen wurden. Es sind auch die technisch besseren Abzüge.
Natürlich beeindruckt zum einen die schiere Menge an Aufnahmen als auch die zeitgeschichtlichen Momente die Frau Klemm in starke Bilder gefasst hat. Aber hier liegt auch das Problem. Nicht jeder Abzug, der sich dann gerahmt im Passportout an den Wänden ausstellt, ist notwendig. Die unstrittige Qualität einzelner Aufnahmen  wird durch die  Menge an durchschnittlichem Bildern und die Wiederholungen verdünnt.
Die Ausstellung funktioniert im Katolog besser als an den Wänden.

Die Ausstellung „Barbara Klemm. Fotografien 1968 – 2013“
ist vom 16. November bis zum 9. März (Mi–Mo 10–19 Uhr)
im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen.

Das optische Zeitalter

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© VK/echtphoto

Karl Pawek: Das optische Zeitalter.

„Der Künstler erschafft die Wirklichkeit, der Fotograf sieht sie.“

(Dazu eine Rezension aus: Der Spiegel 25.09.1963)

Mit einem unproportionierten Aufwand theologisch-philosophischer Argumente entwirft der Wiener Katholik und Ex -Chefredakteur der Edelillustrierten “Magnum” eine wunderliche Theorie der modernen Lichtbildnerei: Nach Pawek ist die zeitgenössische Reportage-Photographie (“das Life-Bild”) ein der modernen Malerei überlegenes “epochales” Erkenntnismittel, der Photoapparat das “Organ der neuen Weltanschauung”, die nicht mehr vom “Bloß-Gedachten” und von Intellektuellen, sondern von “Ereignissen” und Photographen geprägt wird. Paweks Verschleiß großer Worte steht in umgekehrtem Verhältnis zur Stichhaltigkeit seines verschwärmten Bilderglaubens. (Walter-Verlag, Olten;336 Seiten; 9,80 Mark.)

So ein toller Verriss!

Point-and-Shoot Memories

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© Karin Pelzer/echtphoto

 

Zu dem Thema Vergessen, Schnappschüsse und Fotografie:

Ach, wie schön war das! Den Anblick eines Kunstwerks rufen wir uns gern ins Gedächtnis zurück. Aus diesem Grund versuchen viele Menschen, ihre Erinnerungen mit Fotos zu untermauern: Kamera oder Smartphone sind immer dabei, um schöne Eindrücke gleichsam zu konservieren. Doch eine US-Studie zeigt nun: Fotos machen kann der Bildung detailreicher Erinnerungen im Weg stehen. Probanden, die bei einem Museumsbesuch fotografierten, konnten sich anschließend schlechter an die Ausstellungsstücke und Details ihres Aussehens erinnern als Menschen, die das Museum nur betrachtend erkundet hatten.

„Oft hat man das Gefühl, dass Menschen reflexartig Fotos machen und dabei gar nicht mehr richtig bewusst wahrnehmen, was sie sehen”, sagt Linda Henkel von der Fairfield University im US-Bundesstaat Connecticut. Dieser persönliche Eindruck brachte die Wissenschaftlerin nach eigenen Aussagen auf die Idee, den Zusammenhang einmal systematisch zu untersuchen. Sie wollte herausfinden, in wieweit das Fotografieren die Erinnerungen an das Abgebildete beeinflusst.

Die Auswertungen zeigten: Diejenigen, die fotografiert hatten, konnten sich an weniger Ausstellungsstücke erinnern als die Teilnehmer, die ohne Kamera durchs Museum gelaufen waren. Das -Bilderknipsen hatte offenbar außerdem den Detailblick vernebelt: Die mit der Kamera bewaffenten Probanden konnten vergleichsweise wenige Fragen über visuelle Details der Objekte beantworten. „Es kann ein Trugschluss sein zu glauben, fotografieren würde uns beim Erinnern unterstützen”, interpretiert Henkel das Ergebnis.

Doch offenbar ist der Effekt abhängig davon, wie detailliert man sich mit dem Fotoobjekt befasst, zeigte ein weiterer Versuch. Dabei wurden Probanden gebeten, ein bestimmtes Detail eines Kunstwerkes mit der Kamera durch den Zoom zu erfassen und zu fotografieren. Anschließende Befragungen ergaben, dass die Probanden nun nicht nur das jeweilige Detail genauso gut beschreiben konnten wie die Betrachter-Probanden, sondern auch das ganze Kunstwerk. Offenbar hatte die Aufforderung zum Detailblick die Aufnahmefähigkeit insgesamt erhöht. Dieses Ergebnis zeigt, dass die Wahrnehmung durch Fotografieren insgesamt verändert wird.

aus: psychologienachrichten.de/?p=4226

mehr zur Untersuchung: pss.sagepub.com/content/early/2013/12/04/0956797613504438.abstract

 

Das Hotel Bogota schließt.

 

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Das Hotel Bogota, mit einer lange Tradition und Geschichte in Berlin, nicht nur aus Fotografensicht, schliesst am Wochenende.

Leider zeigt sich auch hier, dass Berlin verkauft wird an Investoren, die sich überhaupt nicht mit dieser Stadt identifizieren. was wir alle hier brauchen: Büros und Boutiquen werden dort irgendwann einziehen. Vorher aber, am 1.12. kann jeder sich die Zimmer anschauen und das Interieur kaufen.

 

Postkarten aus der Ewigkeit

Essay von Jan Volker Röhnert

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Postkarten aus der Ewigkeit
Die Rom-Ansichten von Sibylle Mania

 

Lange bevor ich Rom mit eigenen Augen sah, hatte ich es über Fotografien kennengelernt. Schwarzweiße Wehrmachtsfotos meines Großvaters, der mit der Besatzung der Torpedoschiffe, später U-Boote, wo er als Maschinist die Dieselmotoren wartete, in den Kriegshäfen des Achsenpartners Mussolini ankerte, eine konturlose Erscheinung in der Masse einer Militärparade durch einen Triumphbogen Roms mitmarschierend, was dann als Zeitungsfoto nach Deutschland flatterte, wo die Familie sein Gesicht inmitten der grob gerasterten Oberfläche ausfindig zu machen glaubte – eine Täuschung wie so vieles an diesem Krieg, noch ehe er tatsächlich begonnen hatte: Fotos von einer Kriegsmarine im Schatten des Vesuv, Matrosen auf Ausgang durch die Ruinen Pompejis stolpernd, oder die Ruinen des römischen Colosseums, Gesichter, die sich sonnen im Licht ihrer Ahnungslosigkeit, in Zitronen- und Orangenhainen, in Palmengärten, die doch keiner, wie wir wissen, ungestraft betritt…

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Durchlichtfotografie

Sibylle Mania
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Metropole auf Nepalpapier

 
Unterwegs  bin ich mit schwerer Kameratechnik und belichte Rollfilme für 6x7cm Negative.
Auf der Suche nach Orten, die ein kulturgeschichtliches Zeugnis bewahren. Wieviel Bildinformation reicht aus, um diese Botschaft zu transportieren? Die handgeschöpften Papiere aus Nepal beschichte ich im Dunkeln  mit silvergelatine und verwende sie wie Barytpapier. Nach anschließender Trocknung und Auswahl, werden die archiv- und lichtbeständigen Fotografien zwischen zwei  Glasscheiben gepresst in einen Steinsockel gesteckt und jedem Lichteinfall rahmenlos preisgegeben.
Die täglichen Verwandlungen scheinen überraschend. Das Bild existiert in den Blattfasern und nicht auf dem Papier. Die schwarzen  Silberumschläge der Gelatine ergeben eine fast räumliche Wirkung. Das Bild im Material strahlt in den Raum. Die Eigenwilligkeit der Fasern gibt einen geprägten Kosmos vor. Im Kontrast dazu steht das ausgewählte Negativ: ein statisch fest gemeintes Bild, wie das Colosseum oder der Blick von den twins in die Häuserschluchten NYCs.

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