Analog

Point-and-Shoot Memories

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© Karin Pelzer/echtphoto

 

Zu dem Thema Vergessen, Schnappschüsse und Fotografie:

Ach, wie schön war das! Den Anblick eines Kunstwerks rufen wir uns gern ins Gedächtnis zurück. Aus diesem Grund versuchen viele Menschen, ihre Erinnerungen mit Fotos zu untermauern: Kamera oder Smartphone sind immer dabei, um schöne Eindrücke gleichsam zu konservieren. Doch eine US-Studie zeigt nun: Fotos machen kann der Bildung detailreicher Erinnerungen im Weg stehen. Probanden, die bei einem Museumsbesuch fotografierten, konnten sich anschließend schlechter an die Ausstellungsstücke und Details ihres Aussehens erinnern als Menschen, die das Museum nur betrachtend erkundet hatten.

„Oft hat man das Gefühl, dass Menschen reflexartig Fotos machen und dabei gar nicht mehr richtig bewusst wahrnehmen, was sie sehen”, sagt Linda Henkel von der Fairfield University im US-Bundesstaat Connecticut. Dieser persönliche Eindruck brachte die Wissenschaftlerin nach eigenen Aussagen auf die Idee, den Zusammenhang einmal systematisch zu untersuchen. Sie wollte herausfinden, in wieweit das Fotografieren die Erinnerungen an das Abgebildete beeinflusst.

Die Auswertungen zeigten: Diejenigen, die fotografiert hatten, konnten sich an weniger Ausstellungsstücke erinnern als die Teilnehmer, die ohne Kamera durchs Museum gelaufen waren. Das -Bilderknipsen hatte offenbar außerdem den Detailblick vernebelt: Die mit der Kamera bewaffenten Probanden konnten vergleichsweise wenige Fragen über visuelle Details der Objekte beantworten. „Es kann ein Trugschluss sein zu glauben, fotografieren würde uns beim Erinnern unterstützen”, interpretiert Henkel das Ergebnis.

Doch offenbar ist der Effekt abhängig davon, wie detailliert man sich mit dem Fotoobjekt befasst, zeigte ein weiterer Versuch. Dabei wurden Probanden gebeten, ein bestimmtes Detail eines Kunstwerkes mit der Kamera durch den Zoom zu erfassen und zu fotografieren. Anschließende Befragungen ergaben, dass die Probanden nun nicht nur das jeweilige Detail genauso gut beschreiben konnten wie die Betrachter-Probanden, sondern auch das ganze Kunstwerk. Offenbar hatte die Aufforderung zum Detailblick die Aufnahmefähigkeit insgesamt erhöht. Dieses Ergebnis zeigt, dass die Wahrnehmung durch Fotografieren insgesamt verändert wird.

aus: psychologienachrichten.de/?p=4226

mehr zur Untersuchung: pss.sagepub.com/content/early/2013/12/04/0956797613504438.abstract

 

Postkarten aus der Ewigkeit

Essay von Jan Volker Röhnert

SM-Rom-Colosseum 2011

Postkarten aus der Ewigkeit
Die Rom-Ansichten von Sibylle Mania

 

Lange bevor ich Rom mit eigenen Augen sah, hatte ich es über Fotografien kennengelernt. Schwarzweiße Wehrmachtsfotos meines Großvaters, der mit der Besatzung der Torpedoschiffe, später U-Boote, wo er als Maschinist die Dieselmotoren wartete, in den Kriegshäfen des Achsenpartners Mussolini ankerte, eine konturlose Erscheinung in der Masse einer Militärparade durch einen Triumphbogen Roms mitmarschierend, was dann als Zeitungsfoto nach Deutschland flatterte, wo die Familie sein Gesicht inmitten der grob gerasterten Oberfläche ausfindig zu machen glaubte – eine Täuschung wie so vieles an diesem Krieg, noch ehe er tatsächlich begonnen hatte: Fotos von einer Kriegsmarine im Schatten des Vesuv, Matrosen auf Ausgang durch die Ruinen Pompejis stolpernd, oder die Ruinen des römischen Colosseums, Gesichter, die sich sonnen im Licht ihrer Ahnungslosigkeit, in Zitronen- und Orangenhainen, in Palmengärten, die doch keiner, wie wir wissen, ungestraft betritt…

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Durchlichtfotografie

Sibylle Mania
SM-istanbul-topkapi

Metropole auf Nepalpapier

 
Unterwegs  bin ich mit schwerer Kameratechnik und belichte Rollfilme für 6x7cm Negative.
Auf der Suche nach Orten, die ein kulturgeschichtliches Zeugnis bewahren. Wieviel Bildinformation reicht aus, um diese Botschaft zu transportieren? Die handgeschöpften Papiere aus Nepal beschichte ich im Dunkeln  mit silvergelatine und verwende sie wie Barytpapier. Nach anschließender Trocknung und Auswahl, werden die archiv- und lichtbeständigen Fotografien zwischen zwei  Glasscheiben gepresst in einen Steinsockel gesteckt und jedem Lichteinfall rahmenlos preisgegeben.
Die täglichen Verwandlungen scheinen überraschend. Das Bild existiert in den Blattfasern und nicht auf dem Papier. Die schwarzen  Silberumschläge der Gelatine ergeben eine fast räumliche Wirkung. Das Bild im Material strahlt in den Raum. Die Eigenwilligkeit der Fasern gibt einen geprägten Kosmos vor. Im Kontrast dazu steht das ausgewählte Negativ: ein statisch fest gemeintes Bild, wie das Colosseum oder der Blick von den twins in die Häuserschluchten NYCs.

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Alles Retro?

Schallplatte, Schmalfilm, Praktica – längst entsorgt oder noch im Gebrauch?

 

Tagesthema auf mdr-Figaro

http://meinfigaro.de/inhalte/5cc77f6b2bae9979

 

София

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Vor über 20 Jahren fiel die Mauer. Seit 1989 war ich nicht wieder in Bulgarien obwohl ich von 1987 an zwei Jahre in Sofia gelebt habe, bulgarisch einigermaßen spreche.
Ja, im Kopf also die Bilder vom Leben im “bulgarischen Sozialismus” und nun mitten rein ins Heute. Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Ich bin sehr skeptisch nach Sofia geflogen, dort angekommen und war begeistert. Begeistert von der Lebensfreude und der Zuversicht der Sofioter. Und der Alltag ist wirklich kein Zuckerschlecken. Die Spreizung zwischen arm und reich ist groß und auf der Straße sichtbar. Arbeit die einen ernährt ist nicht leicht zu finden.
Es war nur eine Stippvisite, ein erstes Wiederbegegnen aber es wird wohl ein längeres Projekt werden.

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New York

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1986 ist von der DDR aus gesehen New York soweit weg wie der Mond – unerreichbar. In diesem Jahr erschien das Buch “Himmelhölle Manhattan” von Irene Runge mit Fotografien von Sibylle Bergemann. Wie alles was von der großen weiten Welt jenseits der Grenzen des kleinen Landes erzählte, habe ich den Bericht vom Big Apple verschlungen.
2011, eher ungeplant, stehe ich inmitten dieses Mythos, eine Kamera und das Buch mit den Bergemann Bildern im Gepäck. Mir gefiel der Gedanke meiner alten DDR-Kamera den unerreichbaren Westen zu zeigen. (Wurde übrigens mehrfach auf der Straße auf meine alte Praktica angesprochen.) So kaufte ich mir bei B&H einen Packen Schwarz-Weiß-Filme und machte mich auf die Suche nach meinen Bildern.
(Seitdem bin ich wieder bei der analogen Fotografie gelandet.)

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Grenze/ Border

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Wir trafen uns in L. und wollten den Oberlauf der Saale bis Hof folgen – zu Fuß. Die Saale ist hier noch ein kleiner wildromantischer Fluss, wird erst weiter abwärts in den Talsperren zu großen Seen aufgestaut.
Das rechte Ufer ist thüringisch, das linke liegt in Bayern. Und damit stießen wir zwangsläufig auf die ehemalige Deutsch-Deutsche Grenze. Hätte man vorher wissen können! War aber nicht unser Plan.
Die einst unüberwindbare Grenze zeichnet sich noch immer in der Landschaft ab. Meist durch einen unspektakulär mit Birken und Buschwerk bestandenen Brachstreifen – flankiert vom ehemaligen Kolonnenweg.

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Dickicht

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Fast täglich fahre ich durch eine dichte Schonung. Das Regelmäßige und zugleich Undurchdringliche des Fichtendickichts hat mich angezogen. Als ich dann in die Schonung kroch, zeigte sich eine ganz andere Landschaft.
Vor zwei Jahren zum  Winterbeginn hatte der nasse Schnee in den Kronen der Bäume diese einfach zu Boden gedrückt oder abgeknickt. Dieser Schneebruch war hier noch nicht beräumt, blieb einfach sich selbst überlassen.

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welche Rolle spielt die Technik für eine gelungene Fotografie?

nachdem der Markt immer neue digitale Möglichkeiten eröffnet, zeitgleich jedoch die Rückkehr zur analogen Fotografie stattfindet, diskutiere ich immer häufiger über die Frage:  inwieweit ist Technik für ein gutes Bild wichtig??

Der Fotoladeninhaber bei mir um die Ecke erzählte mir heute, dass sehr viele Fotografieinteressierte tolle Kameras bei ihm kaufen wollen, sei es die neuesten Digitalen oder auch die good-old-analogen Leicas. Die kommen dann zu ihm und zeigen begeistert die Fotos, wie scharf die doch wären, oder diese tollen Farben….der Haken ist nur, das auf den Bildern das gut gesehene Motiv einfach fehlt. Oder die hippen Retro-Neuköllner, ihreszeichen alle Fotografen, auf jeden Fall analog wollen und dann sagt er (der Verkäufer), hier ist die Blende einzustellen, und sie fragen: Blende, wozu brauche ich das nochmal???….

 

Hier ist doch gut zu erkennen, dass echte Fotografie nicht ganz unabhängig von den technischen Gegebenheiten funktioniert, aber das eben auch nicht alles ist und ein gutes Motiv mit einer schlechten Kamera sicherlich mehr taugt als ein techn. perfektes Bild ohne.

Magnum Contact Sheets

Ja, in der Rubrik “Unterm Weihnachtsbaum” mein diesjähriges (fast) Lieblingsgeschenk. Spannend die Überlegungen die im Vorwort zum Arbeitsmittel Kontaktbogen angestellt werden. Das klingt hier auch im nachfolgen Ausriss aus dem Pressetext an.

 

“Neben der eigenwilligen, sehr persönlichen Sicht der Photographen, der durch die
Zusammenschau der Ikonen mit ihren Kontaktbögen hier besonders eindrucksvoll
zutage tritt, ist unser Buch auch in fotogeschichtlicher Hinsicht ein unschätzbares
Dokument: Im digitalen Zeitalter des direkten Auswählens und Löschens auf dem
Kameradisplay ist die Technik der Kontaktbögen obsolet geworden. Somit ist
Magnum Contact Sheets eine große Hommage an eine aussterbende, Authentizität
versprechende Gattung.”