History

A. Graff

 

Anton Graff  (* 18. November 1736 in Winterthur; † 22. Juni 1813 in Dresden) :

Graff war zu seiner Zeit der beste Bildnismaler im deutschsprachigen Raum und porträtierte die Besten seiner Zeit. Bis heute ist der unverwechselbare lebendige Ausdruck der Bildnisse Graffs überaus ansprechend. Graff konzentrierte sich meist ganz auf das Antlitz, setzte dieses ins Licht und verlieh der Komposition durch sparsame, aber äußerst wirkungsvoll gewählte leuchtende Farbkontraste der Kleidung malerische Delikatesse.

Wir: Wolf Abraham, Erik Braga, Carsten Schulz, Susann Kretzschmar, Karin Pelzer, Bernd Rathjen unter der Leitung von Martin Becker ( www.martin-becker-foto.de) wurden inspiriert durch Anton Graffs  eindrucksvolle Portraits.

Zu den Bilder geht es hier >

Magnum Contact Sheets

Ja, in der Rubrik “Unterm Weihnachtsbaum” mein diesjähriges (fast) Lieblingsgeschenk. Spannend die Überlegungen die im Vorwort zum Arbeitsmittel Kontaktbogen angestellt werden. Das klingt hier auch im nachfolgen Ausriss aus dem Pressetext an.

 

“Neben der eigenwilligen, sehr persönlichen Sicht der Photographen, der durch die
Zusammenschau der Ikonen mit ihren Kontaktbögen hier besonders eindrucksvoll
zutage tritt, ist unser Buch auch in fotogeschichtlicher Hinsicht ein unschätzbares
Dokument: Im digitalen Zeitalter des direkten Auswählens und Löschens auf dem
Kameradisplay ist die Technik der Kontaktbögen obsolet geworden. Somit ist
Magnum Contact Sheets eine große Hommage an eine aussterbende, Authentizität
versprechende Gattung.”

 

Werner Schönfeld

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Werner Schönfeld: „Halle. Vom Leben und Verfall in der DDR“

Halle: Hasenverlag, 2012. 98 Seiten. 12,80 EUR
ISBN 978-3939468868

Das Geheimnis des Erfolges?

Halle, Große Ullrichstraße, Modehaus Fortschritt, 1986. Ein spärlich bestücktes Schaufenster, die Leere hilflos mit Weihnachtsbaumkugeln gemildert, lobpreist was nicht zu sehen ist: „Das Geheimnis des Erfolges? Unser Angebot“

Darüber spiegelt die Schaufensterscheibe eine Silhouette, ein Kopf, die Baskenmütze keck auf’s Ohr gesetzt. Es ist der Fotograf, Werner Schönfeld, der diese unfreiwillige Komik entdeckt und sie im Bild festhält. Es ist nicht der einzige bittere Widerspruch, dem er begegnet und den er abbildet.

„Halle. Vom Leben und Verfall in der DDR“ zeigt auf 100 Seiten das Bild einer Stadt, welches die verordnete und gewünschte Wahrnehmung der realsozialistischen DDR-Wirklichkeit Lügen straft: Die historische Altstadt von Halle ist seit den 1960er Jahren dem Verfall preisgegeben. Im darauffolgenden Jahrzehnt schon ist die entstandene Ruinenlandschaft unübersehbar. Nichts zu spüren von der propagierten „lichten Zukunft“. Ganze Straßenzüge sind nicht mehr zu retten und werden abgerissen. Ein Stück Stadt geht verloren. damit auch Geschichte und Identität. Die Machthabenden wollen es nicht anders.
Werner Schönfeld dokumentiert diesen Verlust. Zeigt in seinen Schwarzweiß-Bildern das unausweichliche Verschwinden des Ortes und seiner Bewohner. Klagt an, indem er die Zerstörung festhält, die Agonie sichtbar macht. Oft ist man in die Nachkriegszeit versetzt und will gar nicht glauben, dass die Aufnahmen in den letzten Jahren der DDR entstanden sind.

Der vorliegende Band versammelt vorrangig Bilder zum Verfall der Altstadt Halles. Diese können vor allem als Zeitdokumente überzeugen. In der Fülle des Materials finden sich einige Fotografien, die über das rein dokumentarische Abbilden hinausgehen. Hier schafft Werner Schönfeld Bilder, die über große Intensität und Dichte verfügen, die viel erzählen, je länger man bei ihnen verweilt. Leider lassen Format und Druckqualität ein genaueres Betrachten der Fotografien oft nicht zu. Auch sollte für einen Bildband eine wesentlich strengere, reduzierte Bildauswahl getroffen und ein klares inhaltliches Konzept umgesetzt werden.

Die ausführliche Einleitung von T.O. Immisch schildert Werner Schönfeld als einen Menschen, dem, weil er sich dem System DDR nicht bedingungslos anpasste, die angestrebte berufliche Karriere versagt blieb. Desto stärker widmete er sich seiner Leidenschaft, der Fotografie. Von 1968 an war er über 20 Jahre lang Leiter des Fotoclubs Halle.
Mehrfach wird betont, dass die Bilder vom Verfall der Stadt, die als Systemkritik im Eigenauftrag entstanden, eine Form von Widerstand darstellen. Um so mehr verblüfft eine kurze Nachbemerkung auf der letzten Seite des Buches. Werner Schönfeld sei 14 Jahre lang, bis 1985, als IM “Franz Linse” von der Staatssicherheit geführt worden. Die von ihm geforderten Berichte habe er abgeliefert, doch sein Auftraggeber sei damit nicht zufrieden gewesen.
Mit einem Mal scheint die Person des Autors selbst in die bitteren Widersprüche des Systems verstrickt, die er in seinen besten Bildern klar zeigt.
Diese Entdeckung am Schluss lässt den Leser mit Fragen zurück, zwingt ihn geradezu, sich die Bilder noch einmal anzuschauen. Mit verändertem Blick?

Dennoch oder gerade deswegen: Wer den Bildband vor allem als zeitgeschichtliche Fotosammlung, als Beitrag zur Stadtgeschichte Halles in die Hand nimmt, wird nicht enttäuscht werden.

 

veröffentlicht in “Horch und Guck” Heft 78